Unsere wesentlichsten Risiken in der Lieferkette

Bei Nybo Workwear arbeiten wir systematisch daran, Risiken für Menschen, Umwelt und verantwortungsvolle Unternehmensführung in unseren textilen Lieferketten zu identifizieren, zu bewerten und zu priorisieren.

Ziel der Risikoanalyse ist nicht die Bewertung finanzieller oder reputationsbezogener Risiken für Nybo. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wo unsere Aktivitäten, Produkte, Lieferketten und Einkaufspraktiken mit negativen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt verbunden sein können.

Die Risikoanalyse umfasst unsere textile Lieferkette von der Konfektion und den Nassprozessen bis zur Textilproduktion, Garnherstellung und Rohstoffgewinnung. Sie wird mindestens einmal jährlich aktualisiert und zusätzlich bei wesentlichen Veränderungen, zum Beispiel bei neuen Beschaffungsländern, neuen Materialien oder größeren Veränderungen der Risikolage.

So identifizieren wir Risiken

Unsere Risikoanalyse basiert auf den wesentlichen Risiken, die in den OECD-Leitlinien für den Textil- und Bekleidungssektor identifiziert wurden.

Wir analysieren unter anderem Risiken in Bezug auf:

  • Kinderarbeit
  • Diskriminierung, sexuelle Belästigung und geschlechtsspezifische Gewalt
  • Zwangsarbeit
  • übermäßige Arbeitszeiten und Überstunden
  • Arbeitsschutz und Gesundheit
  • Einschränkungen der Vereinigungsfreiheit und des Rechts auf Kollektivverhandlungen
  • Nichteinhaltung gesetzlicher Mindestlöhne
  • unzureichende existenzsichernde Löhne
  • gefährliche Chemikalien
  • hohen Wasserverbrauch
  • Wasserverschmutzung
  • Treibhausgasemissionen
  • Bestechung und Korruption

Für jeden Bereich bewerten wir, wie das Risiko durch das jeweilige Land, das Produkt, die Materialien, den Produktionsprozess und die Bedingungen in unserer eigenen Lieferkette beeinflusst wird.

Wir analysieren außerdem unser eigenes Geschäfts- und Beschaffungsmodell, da beispielsweise Forecasting, Preisverhandlungen, Lieferzeiten und Auftragsänderungen die Arbeitsbedingungen bei Lieferanten beeinflussen können.

Unsere Risikoanalyse kombiniert daher externe Länderrisiken, Produkt- und Prozessrisiken, Lieferantendaten sowie Risiken im Zusammenhang mit unseren eigenen Einkaufspraktiken.

Welche Informationen nutzen wir?

Wir verwenden sowohl externe als auch interne Informationsquellen.

Zu den externen Quellen gehören unter anderem Informationen und Analysen von:

  • OECD
  • ILO
  • UNICEF
  • nationalen Behörden und Arbeitsmarktbehörden
  • der Weltbank
  • Transparency International
  • internationalen Menschenrechts- und zivilgesellschaftlichen Organisationen
  • länderspezifischen Berichten zu Arbeitsbedingungen, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Umwelt und Integrität

Die Quellen werden laufend hinsichtlich ihrer Aktualität und Relevanz für das jeweilige Land und den betreffenden Teil der Lieferkette bewertet.

Diese Informationen kombinieren wir mit Daten unserer eigenen Lieferanten. Dazu gehören unter anderem:

  • Audits und Zertifizierungen
  • Informationen zu Arbeitsunfällen
  • Arbeitszeiten und Überstunden
  • Löhne
  • Arbeitnehmervertretung
  • Beschwerdemechanismen und Anzahl eingegangener Beschwerden
  • Richtlinien zu Arbeits- und Menschenrechten
  • Klima- und Energiedaten
  • Wasserverbrauch und Abwasser
  • Chemikalienmanagement
  • Informationen über Subunternehmer und Produktionsländer

Diese Daten werden im Rahmen unseres Lieferantenmanagements laufend erhoben und aktualisiert.

So bewerten und priorisieren wir Risiken

Nachdem wir ein Risiko identifiziert haben, bewerten wir zunächst die Wahrscheinlichkeit, dass es in unserer Lieferkette auftreten kann.

Dabei berücksichtigen wir unter anderem:

  • das allgemeine Risiko im jeweiligen Land
  • Materialien und Produktionsprozesse
  • Informationen aus der konkreten Lieferkette
  • bestehende Präventions- und Minderungsmaßnahmen
  • bekannte Vorfälle, Auditfeststellungen und Beschwerden
  • unsere eigenen Geschäfts- und Einkaufspraktiken
  • mögliche Lücken in den verfügbaren Informationen

Fehlende Informationen werden nicht automatisch als geringes Risiko bewertet. Wenn wichtige Nachweise fehlen, betrachten wir dies als Informationslücke, die weiterverfolgt werden muss.

Anschließend bewerten wir die Schwere des Risikos unter anderem danach:

  • wie schwerwiegend ein potenzieller Schaden sein kann
  • wie viele Menschen oder wie große Umweltbereiche betroffen sein können
  • wie schwierig es wäre, den entstandenen Schaden wiedergutzumachen

Die abschließende Priorisierung erfolgt durch die Kombination von Wahrscheinlichkeit und Schwere. Dadurch können wir unsere Maßnahmen dort konzentrieren, wo das Risiko für Menschen und Umwelt am größten ist.

Betroffene und besonders gefährdete Gruppen

Ein wichtiger Bestandteil der Risikoanalyse ist das Verständnis dafür, welche Personengruppen besonders gefährdet sein können.

Je nach Land und Produktionsstufe können dazu unter anderem gehören:

  • Frauen und junge Frauen
  • Wanderarbeitnehmer
  • junge Beschäftigte
  • befristet Beschäftigte und Saisonarbeiter
  • Heimarbeiter
  • Beschäftigte mit eingeschränkten Lese- und Schreibkenntnissen
  • Minderheiten
  • Arbeitnehmervertreter
  • lokale Gemeinschaften in der Nähe von Produktionsstätten mit erheblichen Umweltauswirkungen

Wir nutzen unter anderem Informationen aus amfori BSCI-, OEKO-TEX STeP- und SA8000-Audits, um Arbeitsbedingungen und die Situation betroffener Gruppen besser zu verstehen.

Darüber hinaus erhalten wir Informationen über die Anzahl der Beschwerden bei unseren Lieferanten und nutzen das eigene Whistleblower-System von Nybo Workwear als zusätzlichen Kanal, über den Beschäftigte und andere betroffene Parteien Hinweise geben können.

Diese Informationen fließen in unsere Risikobewertung und in die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Due-Diligence-Prozesse ein.

Interne Perspektiven

Die Risikoanalyse wird nicht ausschließlich von der ESG-Funktion durchgeführt.

In die Bewertung fließen Beiträge relevanter Funktionen bei Nybo ein, darunter:

  • ESG
  • Einkauf und Supply Chain
  • Design und Produktentwicklung
  • Vertrieb
  • Management

Dies ist wichtig, weil mehrere der Risiken in der Lieferkette durch Entscheidungen und Arbeitsprozesse innerhalb von Nybo beeinflusst werden können.

Unsere wesentlichsten Risiken

Unsere Risikoanalyse zeigt, dass unsere wesentlichsten Risiken nicht in allen Ländern und Produktionsstufen gleich sind.

In unserer Lieferkette konzentrieren wir uns insbesondere auf folgende Bereiche:

Existenzsichernde Löhne

Das Risiko, dass Beschäftigte keinen Lohn erhalten, der ausreicht, um einen grundlegenden und angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten, ist in Teilen unserer Lieferkette wesentlich.

Die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns reicht daher nicht aus, um davon auszugehen, dass ein existenzsichernder Lohn gezahlt wird.

Wir arbeiten mit Lohndaten und Berechnungen zu existenzsichernden Löhnen, um Lohnlücken besser zu verstehen und konkrete Verbesserungen zu entwickeln.

Arbeitszeiten und Überstunden

Übermäßig lange Arbeitswochen und unangemessene Überstunden können ein wesentliches Risiko in der Textilproduktion darstellen.

Das Risiko kann sowohl durch lokale Bedingungen als auch durch Einkaufspraktiken beeinflusst werden. Deshalb betrachten wir sowohl die Arbeitszeitdaten der Lieferanten als auch unsere eigenen Prozesse rund um Forecasting, Lieferzeiten und Auftragsänderungen.

Arbeitsschutz und Gesundheit

Textilproduktion ist unter anderem mit Risiken durch Maschinen, Ergonomie, Hitze, Staub, Chemikalien und Brandschutz verbunden.

Unsere Lieferantendaten zeigen, dass Arbeitsunfälle weiterhin vorkommen. Arbeitsschutz und Gesundheit sind daher ein wichtiger Schwerpunkt unserer Risikobewertung und Lieferantennachverfolgung.

Vereinigungsfreiheit und Arbeitnehmervertretung

Die Möglichkeit, sich frei zu organisieren und durch Arbeitnehmervertreter Gehör zu finden, unterscheidet sich erheblich zwischen unseren Beschaffungsländern.

Daher betrachten wir nicht nur, ob eine Richtlinie oder ein formales System vorhanden ist, sondern auch die verfügbaren Informationen über Arbeitnehmervertretung und Beschwerdemöglichkeiten.

Zwangsarbeit und besonders gefährdete Beschäftigte

In bestimmten Beschaffungsländern und tieferen Stufen der Lieferkette besteht ein wesentliches Risiko von Zwangsarbeit.

Das Risiko ist insbesondere dort relevant, wo Wanderarbeitnehmer, Vermittlungsagenturen, informelle Beschäftigung, Heimarbeit oder begrenzte Transparenz in der Lieferkette vorkommen.

Umweltauswirkungen von Nassprozessen

Nassprozesse wie Färben, Waschen und Ausrüsten weisen ein besonderes Risikoprofil auf.

Dabei konzentrieren wir uns unter anderem auf:

  • Chemikalienmanagement
  • Wasserverbrauch
  • Abwasser
  • Abfall
  • Energie und Treibhausgasemissionen

Diese Risiken werden anhand des Landes, des Produktionsprozesses sowie der Systeme und Daten des jeweiligen Lieferanten bewertet.

Länder mit erhöhtem Risiko

Unsere Analyse zeigt, dass sich das Risikoniveau zwischen unseren Beschaffungsländern deutlich unterscheidet.

Zu den Ländern, in denen wir mehrere wesentliche Risiken identifiziert haben, gehören unter anderem:

China

In China sehen wir unter anderem erhöhte Risiken in Bezug auf:

  • Zwangsarbeit und Rückverfolgbarkeit in tieferen Stufen der Lieferkette
  • Arbeitszeiten
  • Vereinigungsfreiheit
  • existenzsichernde Löhne
  • Chemikalien
  • Wasserverbrauch und Wasserverschmutzung
  • Treibhausgasemissionen

Das Risikoniveau hängt jedoch stark vom jeweiligen Lieferanten und Produktionsprozess ab.

Indien

In Indien bestehen unter anderem wesentliche Risiken in Bezug auf:

  • Kinderarbeit in Teilen der tieferen textilen Lieferkette
  • Diskriminierung und geschlechtsspezifische Gewalt
  • Zwangsarbeit
  • Arbeitszeiten
  • Arbeitsschutz und Gesundheit
  • existenzsichernde Löhne
  • Chemikalien und Nassprozesse
  • Wasserverbrauch und Wasserverschmutzung

Unsere eigenen Lieferantendaten zeigen zudem, dass insbesondere Arbeitsunfälle weiterhin eine enge Nachverfolgung erfordern.

Laos

In Laos bestehen unter anderem erhöhte Risiken in Bezug auf:

  • Kinderarbeit
  • Zwangsarbeit
  • Diskriminierung
  • Arbeitszeiten
  • Arbeitsschutz und Gesundheit
  • existenzsichernde Löhne
  • Vereinigungsfreiheit
  • Korruption

Gleichzeitig zeigen unsere Lieferantendaten und Audits, dass konkrete Kontrollsysteme einige dieser Risiken auf Fabrikebene reduzieren können.

So nutzen wir die Ergebnisse

Die Risikoanalyse ist keine isolierte Dokumentationsaufgabe. Sie dient dazu, unsere weiteren Maßnahmen zu steuern.

Die Ergebnisse beeinflussen unter anderem:

  • welche Lieferanten wir enger begleiten
  • welche Themen wir im Lieferantendialog ansprechen
  • welche Daten wir anfordern
  • welche Verbesserungsprojekte wir priorisieren
  • unsere Arbeit zu existenzsichernden Löhnen
  • die Weiterentwicklung unserer Einkaufspraktiken
  • unsere Anforderungen an Audits und Zertifizierungen
  • unsere Arbeit an Beschwerdemechanismen
  • unsere Zusammenarbeit mit externen Organisationen

Wenn die Analyse Informationslücken zeigt, werden diese in unsere weitere Maßnahmenplanung aufgenommen, damit wir Transparenz und Qualität unserer Risikobewertungen schrittweise verbessern können.

Ein kontinuierlicher Prozess

Risiken in globalen textilen Lieferketten verändern sich laufend.

Politische Rahmenbedingungen können sich ändern, neue Lieferanten und Materialien können hinzukommen, und neue Informationen aus Audits, Beschwerden oder dem Lieferantendialog können unsere Bewertung verändern.

Daher aktualisieren wir unsere Risikoanalyse mindestens einmal jährlich und zusätzlich, wenn wesentliche Veränderungen dies erforderlich machen.

Ziel ist nicht, eine statische Risikoliste zu erstellen, sondern unser Verständnis dafür kontinuierlich zu verbessern, wo die größten Risiken für Menschen und Umwelt bestehen, und dieses Wissen für die Priorisierung unserer Maßnahmen zu nutzen.